Dienstag, 1. August 2017

Der Amtsschimmel wiehert ...

Liebe Freunde meines Lesebuchs,
 
wo ist nur die Zeit geblieben? Die Wochen und Monate sind verronnen wie der Sand in einer Sanduhr ...
 
Heute haben wir schon den 1. August. Und das bedeutet nicht nur, dass die nächste Reizwort-Geschichte fällig ist, sondern auch - man mag gar nicht daran denken -, dass schon in wenigen Wochen wieder der Herbst Einzug hält!
 
Aber das ist nun mal der Lauf der Zeit. Und je mehr das eigene Alter fortschreitet, um so mehr kommt es einem vor, als würde die Zeit immer schneller rennen. Oder vielleicht ist das auch nur deshalb so, weil wir selber immer langsamer werden?
 
Sei's drum - wir können es ja nicht ändern.
 
Aber nun zu meiner neuen Geschichte, der dieses Mal die Reizwörter
 
 
Amtsschimmel - Schreck - salzig -
vergessen - überlegen
 
 
 zugrunde liegen. Dieses Mal geht es um einen ominösen Brief  den Heidi ohne Vorwarnung vom Finanzamt bekommt ...
 
 
Ich wünsche Euch allen viel Spaß beim Lesen, und noch ein paar schöne, sonnige Sommertage!
 
Eure Geschichten-Erzählerin
 
 
 
Der Amtsschimmel wiehert ...  
 
„Trari trara, die Post war da!“ Heidi wirft einen Stapel Briefe, Zeitschriften und die Reklameblättchen sämtlicher ortsansässigen Supermärkte auf den Tisch, die sie gerade aus dem Briefkasten gefischt hat. Wobei die Werbung - wie immer - überwiegt. „Kannst du den Kram vielleicht mal durchsehen? Ich muss meine Einkäufe in den Kühlschrank räumen - sonst können wir die Butter und den Käse mit dem Strohhalm einnehmen!“
Sie wischt sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Das Thermometer ist schon jetzt - um elf Uhr vormittags - auf nahezu 30 Grad geklettert. Am Nachmittag soll es - laut Wetterbericht - bis zu 38 Grad heiß werden. Ein Klima wie in den Tropen ...
„Ach du Schreck - da ist ein Brief vom Finanzamt dabei - was wollen die denn von uns?“
„Hast du vielleicht wieder mal vergessen, die Steuererklärung termingerecht abzugeben?“ fragt Heidi. Ihr  Gatte ist in dieser Hinsicht immer ein bisschen nachlässig, das weiß sie aus Erfahrung.
„Nein - ich bin ganz sicher, dass ich in diesem Jahr rechtzeitig dran war!“
 „Am besten, du machst den Umschlag auf und schaust rein - dann weißt du es“, bemerkt seine Frau weise.
„Der ist an dich gerichtet!“
„Na schön - gib her!“
Heidi wischt ihre Finger an ihrer Jeans ab  - die ist sowieso dringend waschreif -, schlitzt den Umschlag mit einem Küchenmesser auf und vertieft sich in das Schreiben.
„Das darf doch nicht wahr sein!“, schreit sie Minuten später los. „Die haben doch wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank!“
„Was ist denn los?“, fragt Eberhard alarmiert.
„Stell dir vor, die wollen von mir einen Nachweis, dass ich in der letzten Zeit keine Einnahmen aus meiner Tätigkeit als Händlerin habe!“
„Hä? Händlerin?“
„Die stufen mich als „gewerbsmäßige Händlerin“ ein - weil ich doch im vergangenen Herbst zwei von deinen selbst gestrickten Pullovern übers Internet verkauft habe - und den ausrangierten Flachbildschirm von meinem PC!“ Empört knallt Heidi das Schreiben auf den Boden.
Eberhard - seine Freunde nennen ihn „Wolli“ wegen seines für einen Mann ziemlich unorthodoxen Hobbys (er strickt und häkelt Pullover, Jacken, Mützen und Handtaschen für sich und seine Frau) - schüttelt ratlos den Kopf.
 
„Ich habe schon irgendwann mal gelesen, dass sie die Handelsplattformen überwachen“, sagt er. „Allerdings habe ich das damals für eine Zeitungsente gehalten. - Und jetzt wegen drei Artikeln so ein Theater ... tztztz ...“
 
„Die sollten sich mal um wirkliche Steuerbetrüger kümmern!“, wütet Heidi. „Solche, die ihr Geld in Steueroasen verfrachten oder mit Hilfe von Briefkastenfirmen am Finanzamt vorbei schleusen.  Da käme mit Sicherheit mehr heraus als Leute zu belästigen, die ein paar zu klein gewordene Klamotten im Internet verkaufen! - und außerdem - wie soll ich etwas beweisen das ich gar nicht habe? Nämlich keine Einnahmen? Was für ein Schwachsinn! Normalerweise müssten die im Finanzamt alle stocktaub sein - weil der Amtsschimmel   so laut wiehert ...“
Nun muss Eberhard doch lachen.
„Lass mich mal überlegen“, sagt er schließlich. „Vielleicht ist es am besten, du rufst einfach mal beim Finanzamt an und fragst nach, wie du etwas „beweisen“ sollst, das du gar nicht hast. Und danach sehen wir weiter!
„Gar keine so dumme Idee - das mache ich!“
„Aber erst morgen!“, meint Eberhard sicherheitshalber. „Du bist heute so stinkwütend, dass dir vermutlich irgendwas herausrutscht, das dir hinterher leid tut!“
„Da könntest du recht haben!“, gibt Heidi zu. „Aber jetzt brauche ich erst mal Nervennahrung!“
„Wir könnten ein Eis essen gehen!“, schlägt Eberhard vor.
„Nee, danke, Schatz. Wenn ich so grantig bin, brauche ich was Salziges. Ich hole mir lieber eine Tüte Kartoffelchips! - Und außerdem - ich bin viel zu faul, mich bei dieser Hitze noch mal anzuziehen und in die Eisdiele zu fahren!“
„Auch recht!“ meint Eberhard. „Und weißt du was? Das nächste Mal gehen wir mit unseren ollen Klamotten auf den Flohmarkt - dort wird ja wohl hoffentlich kein Posten vom Finanzamt Wache stehen!“
 
 
© Christine Rieger / 2017
 
 
Bitte vergesst nicht, auch bei meinen Blogfreundinnen 
 
  Lore


vorbeizuschauen - vielleicht gibt es ja auch dort eine neue Geschichte!

Kommentare:

  1. Voll aus dem Leben. Aber EIN Fehler ist dir unterlaufen - hüstel. Die Namen deiner Protagonisten sind nicht in Ordnung. Die müssten Christine und ... (Mist, jetzt weiß ich nicht, wie dein Mann mit Vornamen heißt) - und weg bin ich, bevor es Haue gibt! :-))))) Hab mich köstlich amüsiert und hatte dich bei jedem Wort, das Heidi sprach, vor Augen!!! Lach!!! LG Martina

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    1. Liebe Martina,
      wie kommst Du denn nur auf die absurde Idee, ICH könnte hinter dieser Geschichte stecken? Tztztz ... Nein, DA irrst Du Dich diesmal aber gewaltig! Schon alleine deswegen, weil ICH immer die Steuererklärung gemacht habe ... :-)
      Das einzige, was auch von MIR stammen könnte, sind die Kartoffelchips und der Flohmarkt! **laaaach**
      Liebe Grüße
      Christine

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  2. Na, jetzt bin ich aber neugierig geworden. Martinas Andeutungen lassen erahnen, dass diese Geschichte tatsächlich mitten aus dem Leben gegriffen ist, nämlich aus Deinem Leben? Außerdem würde es mich interessieren, ob Heidi tatsächlich angerufen hat. Ich hoffe doch, dass sie dort einen netten Menschen angetroffen hat und die Sache sich aufklärt.
    LG
    Astrid

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    1. Astrid - Du darfst Martina nicht alles glauben! Diese Geschichte stammt mal NICHT aus meinem Leben - die ist frei erfunden. Natürlich - gewisse Charakterzüge passen, wie zum Beispiel die Vorliebe für Kartoffelchips und Flohmärkte - aber das war's dann auch schon!
      Und nette Menschen beim Finanzamt ... die gibt es ganz bestimmt - aber die meisten sind vermutlich staubtrockene Paragraphenreiter ... **zwinker**
      Liebe Grüße
      Christine

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  3. Oh ja, das kann über das Internet schwer in die Hose gehen. Und die Idee zum Flohmarkt zu gehen, ist viel besser. Gibt es eine Fortsetzung?

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    1. Hallo, Eva,
      Dass es eine Fortsetzung dieser Geschichte gibt, glaube ich nicht. Jeenfalls habe ich keine geplant. Aber - wissen kann man ja nie!
      So allmählich müsste ich mir mal eine Liste anlegen von Geschichten, die Eurer Meinung nach eine Fortsetzung erfordern - merken kann ich mir das schon lange nicht mehr ...
      Liebe Grüße
      Christine

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  4. Liebe Christine,
    ja, ja, Post vom Finazamt kann einem ganz schön die Timmung verhageln. Ich habe glücklicherweise bisher nur gute ERfahrungen gemacht mit den Sachbearbeitern, mit denen ich zu tun hatte. Oft kann man mit einem Anruf klären, was einem als falsch erscheint!
    Schöne Geschichte, lieber Gruß
    Regina

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  5. Liebe Regina,
    bisher hatte ich auch keine schlimmen Erfahrungen mit dem Finanzamt.
    Es kommt wahrscheinlich auch immer darauf an, an wen man gerade gerät. Und auf den angewendeten Ton ... ��
    Liebe Grüße
    Christine

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