Mittwoch, 15. März 2017

Beschäftigungstherapie

Liebe Freunde meines Lesebuchs,
 
was tut man, wenn der Ehemann  bis zum Mittag schläft, und man ihn nicht stören will? Man schaltet den Fernseher ein. Irgend etwas läuft ja da immer. Man hat Unterhaltung (wenn sonst schon keiner mit einem redet), und ab und zu lernt man sogar etwas aus diesen Sendungen.
 
Kitty ist so eine Geplagte. Ihr Mann sitzt oft die halbe Nacht über Sportsendungen (bevorzugt Fußball), und verschläft dann den halben Tag.
 
Welche Konsequenzen sich letzten Endes daraus ergeben, könnt ihr in meiner neuen Reizwort-Geschichte nachlesen ...
 
Die Reizwörter, die dieses Mal unterzubringen waren, lauten: 
 
 
Blütenkelch - Langschläfer - garstig - unbarmherzig - wirbeln
 

 
Hier könnt Ihr nachsehen, ob meinen Kolleginnen
 
Lore   
 
zu diesen Wörtern etwas eingefallen ist.  


Liebe Grüße
Eure Geschichten-Erzählerin
 
 


Beschäftigungstherapie
 
„Du lieber Himmel - was ist denn das wieder für ein Gehopse! Ist das noch vom letzten Fasching - oder die neueste Kreation des Fernsehballetts? Und diese grässliche Musik - wie hältst du das nur aus?“ Mit zusammengekniffenen Augen beobachtet Jochen eine Formation junger Mädchen, die auf dem Fernsehbildschirm über eine blumengeschmückte Bühne wirbeln - mit einer Geschwindigkeit, dass ihre bunten Kleidchen wie Blütenkelche im Wind auf- und ab fliegen. 
„Keine Ahnung - hab gerade erst umgeschaltet.“ Kitty legt die Fernbedienung auf den Tisch, stemmt sich aus ihrer bequemen Lage  hoch und drückt ihrem eben aus den Federn gekrochenen Ehemann einen Kuss auf die vom Schlaf zerzausten Haare. „Guten Morgen, du Langschläfer! - Möchtest  du jetzt frühstücken, oder soll ich dir gleich das Abendessen servieren?“  
„Musst du immer so garstig ein?“ Der Vorwurf in Jochens Stimme ist nicht zu überhören. 
„Ich bin nicht garstig - ich stelle Tatsachen fest!“, antwortet Kitty trocken.  „immerhin ist es halb eins - da wird die Frage doch wohl erlaubt sein!“ 
„Ich war  die halbe Nacht auf!“, verteidigt Jochen sich halbherzig. 
„Logisch - es gab bestimmt wieder irgend ein hochwichtiges Fußballspiel.  Fußball, Fußball über alles - über alles in der Welt ... - Was war es denn diesmal? Hintertupfingen gegen Vorderpusemuckel - oder so was?“ 
„Quatsch. Champions-League. Halbfinale. Real Madrid gegen ...“ 
„Mir doch egal. Du weißt, Fußball interessiert mich ungefähr so wie dich die Aufzucht von Stallhasen!“ 
„Wie lange bist du denn schon auf?“, will Jochen wissen. 
„Seit fünf.“ 
„Und die ganze Zeit hängst du vor dem Fernseher rum?“ 
„Ja du lieber Gott - besser ein blöder Fernseher, als gar keine Unterhaltung!“ antwortet Kitty spitz. „Krach machen durfte ich ja nicht, damit Euer Durchlaucht nicht in seiner wohlverdienten Ruhe gestört wird. Also konnte ich weder den Staubsauger anwerfen, noch Möbel rücken, oder in der Küche mit Töpfen scheppern. Anrufen kann ich mitten in der Nacht auch niemanden. Was ist mir denn anderes übrig geblieben?“ 
„Du hängst doch auch sonst ständig vor der Glotze!“ Jochen flegelt sich auf die Couch, angelt nach der halbleeren Tüte Kartoffelchips, die  gestern Abend niemand mehr aufgeräumt hat, und kaut genüsslich. „Und was für Schwachsinn du dir manchmal reinziehst! - Das fängt doch schon am Morgen an - mit diesen ganzen komischen Gesundheitsmagazinen. Kein Wunder, dass du dauernd irgendwelche seltsamen Leiden hast - die lernst du doch durchs Fernsehen erst kennen! Und dann erst die Kochsendungen!“ Er redet sich allmählich in Rage.  „Jeden Tag mindestens drei, quer durch alle Programme. Du starrst wie gebannt diesen geschniegelten Figuren in ihren blütenweißen Schürzen auf die Finger, wie sie dekorativ irgendwelche Kräutlein, Körnchen oder Wiesenblümchen auf höchst absonderliche Gerichte drapieren. Und was kriege ich zu essen? Dreimal in der Woche  Schinkennudeln!“ 
„Ist doch gar nicht wahr. Gestern gab es Bratkartoffeln mit Spiegelei!“, protestiert Kitty. 
„Stimmt. Immer schön abwechselnd. Und am Sonntag gehe ich mir dir ins Restaurant. Damit ich wenigstens einmal in der Woche  was Gescheites zu essen kriege!“ 
„Du Ärmster! Die unzulängliche Ernährung scheint dir aber nicht schlecht zu bekommen - zieht man dein niedliches Bäuchlein in Betracht!“ Kitty grinst. „Aber mich stört das nicht. Man liegt so schön weich drauf!“ Wie zum Beweis legt sie ihren Kopf auf Jochens Bauch und lässt sich genüsslich den Kopf kraulen. 
Nun muss auch Jochen lachen. „Aus dir hätte vermutlich eine Katze werden sollen! - Deine Eltern müssen da  irgendwas falsch gemacht haben!“ 
„Gott sei Dank haben sie das! Katzen müssen doch dauernd Milch schlabbern und Mäuse fressen - und beides ist mir zutiefst zuwider! Aber immerhin - sie haben mir den passenden Namen gegeben - Kitty. So heißen viele Katzen!“ 
„Na schön. Vielleicht könnte sich ja das Schmusetier jetzt trotzdem mal erheben und seinem Gönner einen Kaffee servieren?“ 
„Denkste! Heute bist du an der Reihe, deinen Kaffee mal selber zu kochen. Deine angeheiratete Bedienung hat nämlich gerade Mittagspause! - Und außerdem: Wenn die Tanzsendung zu Ende ist, dann kommt als nächstes diese Antiquitäten-Versteigerung von ...“ 
„Neeeeein!“, schreit Jochen, reißt die  Fernbedienung an sich,  und drückt unbarmherzig auf die Aus-Taste. 
„Was soll das?“, empört sich Kitty. „Du kannst doch nicht einfach ...“ 
„Doch, mein Schatz. Heute wirst du dir mal nicht das alte Gerümpel von anderen Leuten anschauen. Heute marschieren wir in unseren eigenen Keller - da gibt es genug davon zu sehen!“ 
Dein altes Gerümpel!“,  korrigiert Kitty. „Oder von wem stammt denn das verrostete Pferdegeschirr von anno dazumal? Von deinem Opa! Oder die tonnenschweren, goldverschnörkelten Bilderrahmen? Und was ist mit dem potthässlichen Gipskopf mit den Engelsflügelchen, den Tante Dorothea dir vermacht hat? So was scheußliches hätte ich nie aufgehoben!“ 
„Das sind alles Andenken!“ protestiert Jochen. 
„Na schön. Dann sammle mal deine ganzen Andenken zusammen, und wenn du damit fertig bist, werde ich mich damit bei dieser Versteigerungs-Sendung bewerben. Vielleicht kann man den Kram ja wenigstens zu Geld machen. Und wenn nicht, dann haben die Zuschauer wenigstens was zu lachen!





 
© Christine Rieger / 2017















 

















 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 


 

 


 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Kommentare:

  1. Weißt du was? Immer, wenn ich deine humorvollen Geschichten lese, sitze ich mit einem breiten Grinsen vor dem Computer. 'Deine angeheiratete Bedienung' - herrlich! Muss ich mir unbedingt merken, wenn mein Mann wieder einmal erzählt, dass er nur geheiratet hat, damit jemand für ihn das Bett macht! :-) - Natüüüüürlich meint er das im Spaß, ;.) doch es gibt Menschen, die sind dann sehr konsterniert! - War ich bei deiner Geschichte nicht, sondern hoch erfreut!! Frühlingshafte Grüße! Martina

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    1. Liebe Martina,
      wie schön, dass ich Dich mit meiner Geschichte zum Lachen bringen konnte! Solche Sprüche kenne ich schon auch - mein Mann pflegt hin und wieder zu sagen "Dafür habe ich doch schließlich geheiratet" - wenn er irgendwas im Haushalt gemacht hat, das ihm so gaaaaar nicht gefällt.
      Ein bisschen Spaß muss sein! Wenn man nicht mehr zusammen lachen kann, ist sowieso alles zu spät ...
      Ich wünsche Dir ein wunderschönes Wochenende mit viel Sonne morgen - am Samstag soll es leider schon wieder regnen und kälter werden!
      Liebe Grüße
      Christine

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  2. Liebe Christine, ich schließe mich Martina an ,herrlich, ich habe mich schepp gelacht.So richtig aus dem Leben gegriffen. So kann das Leben sein, muss aber nicht, gelle. Liebe Grüße Eva

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    1. Liebe Eva,
      nicht dass Du etwa denkst, bei UNS geht es so zu - um Himmels Willen! Aber alberne Sprüche hauen wir uns schon ab und zu um die Ohren - sehr zur Erheiterung unserer Freunde. Die sitzen immer da und lachen sich kringelig, wenn wir uns beharken ... :-D
      Liebe Grüße
      Christine

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  3. Liebe Christine,
    du hast mich heute Abend zum Lachen gebracht. Herrlich diese humorvoll
    geschriebene Geschichte.
    Einen angenehmen Wochenteiler wünscht Dir
    Irmi

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    1. Liebe Irmi,
      mir sagt man einen gehörigen Hang zum Sarkasmus nach - und hin und wieder taucht der auch in meinen Geschichten auf. Dann lache ich schon beim Schreiben!
      Und wenn der Funke auf die Leser überspringt und sie sich auch vor Lachen kringeln, dann hat die Geschichte ihren Zweck erfüllt ...
      Liebe Grüße
      Christine

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  4. Hahaa, jetzt musste ich lange suchen, um zu kommentieren. wie immer zum schmunzeln, du und dein Sprüche, herrlich. Wünsche dir ein schönes Wochenende. LGLore

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    1. Liebe Lore,
      ich bin halt ein alter Spruchbeutel - da kann man nix machen! Schön, dass Du wieder etwas zum Lachen hattest ...
      Liebe Grüße und ein schönes, wenn auch voraussichtlich verregnetes Wochenende!
      Christine

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  5. Ach, jetzt ärgere ich mich aber, denn nun ist mein Kommentar verschwunden. Also versuche ich es noch einmal:
    Mir ging es beim Lesen ebenso wie den anderen, denn ich musste die ganze Zeit grinsen. Danke für diese humorvolle Geschichte, die Dein eigenes (liebenswertes, lustiges und flottes) Temperament erahnen lässt und außerdem hast Du immer den richtigen Spruch drauf.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid,
      vielen Dank für die positive Einschätzung meines Temperaments - mit dem leider nicht alle etwas anfangen können. Nur diejenigen, die - wie ich - mit Ironie etwas anfangen können und nicht alles für bare Münze nehmen. Und die vielen Sprüche - die habe ich entweder mal irgendwo gehört oder gelesen, und bei Bedarf tauchen sie dann in meinen Beiträgen auf ... **grins**
      Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag und eine ruhige, möglichst stressfreie Woche!
      Liebe Grüße
      Christine

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