Sonntag, 31. Januar 2016

War früher wirklich alles besser?

Liebe Freunde meines Lesebuchs,

heute geht es weiter mit meinen Erinnerungen. Diesmal gehe ich weit zurück - in meine Kinderzeit, die - vor allem für meine Eltern - alles andere als einfach und bequem war!

Aber - lest selbst.

Ich wünsche Euch einen schönen, erholsamen Sonntag!

Eure Geschichten-Erzählerin
 



Foto: © Christine Rieger

 
War früher wirklich alles besser? 
 
Also, wenn ich so meine Kinderzeit Revue passieren lasse, und die Umstände von damals mit heute vergleiche, kann ich das überhaupt nicht bestätigen! Wenn ich nur an die allererste „Wohnung“ meiner Eltern zurückdenke und mir vorstelle, ich müsste heute noch genauso leben - nein, herzlichen Dank!
 
Die Idee zu diesem Beitrag kam mir, als ich neulich ein bestimmtes Foto suchte. Dabei stieß ich auf eins, das ich im vergangenen Jahr in einem hiesigen Museum aufgenommen habe - im Museum „Industriekultur“.   Dieses Museum zeigt die Geschichte der Industrialisierung in Nürnberg, angefangen vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Aber das nur nebenbei.
 
In einer dieser Hallen ist u. a. eine Arbeiterwohnung aus dem 19. Jahrhundert aufgebaut. Beim Blick in die Wohnküche hatte ich wahrhaftig das Gefühl, in der ersten „Wohnung“ meiner Eltern zu stehen…
 
Da stand der Kohleofen, der nicht nur für Wärme in der Wohnküche sorgte (und dessen Ofenrohr regelmäßig vom Ruß befreit werden musste). Jeden Morgen, noch bevor mein Vater zur Arbeit ging, wurde der Ofen angeschürt - nicht ohne vorher die Asche vom vergangenen Tag zu „entsorgen“.
 
Auf diesem Ofen wurde nicht nur das Essen  gekocht, sondern auch die Windeln meiner jüngeren Schwester. Über dem Herd waren Wäscheleinen gespannt, auf denen die ausgekochten und geschrubbten Windeln zum Trocknen aufgehängt wurden. Pampers gab es zu dieser Zeit noch nicht - die wurden erst später erfunden.
 
In einem seitlich angebrachten Schaff wurde Wasser warmgehalten. Dieses Wasser holte man im Topf oder Eimer aus der Toilette - in der Wohnung selbst gab es keinen Wasseranschluss. Natürlich war es eiskalt. Einfach nur den Hahn aufdrehen und warmes Wasser kam heraus - damals unmöglich. Jedenfalls in den Wohnungen der einfachen Leute. Das Toilettenpapier bestand aus alten Zeitungen, die - in der passenden Größe zugeschnitten - auf einen Nagel aufgespießt wurden.
 
Die Wohnküche war im Winter der einzige einigermaßen warme Raum. Das nebenan liegende „Schlafzimmer“ - ein langer dünner Schlauch mit schrägen Wänden, in dem die Ehebetten meiner Eltern hintereinander stehen mussten - war so kalt, dass die Wände im Winter mit Eis bedeckt waren…
 
Und doch - meine Eltern musste froh sein, überhaupt einen Unterschlupf gefunden zu haben. Halbwegs erschwingliche Wohnungen waren Mangelware in der Nachkriegszeit. Diese Behausung war Teil einer viel größeren Wohnung - meine Eltern lebten also zur „Untermiete“. Dass eine überaus neugierige und obendrein ausgesprochen boshafte Vermieterin, die in den anderen Räumen hauste, meinen Eltern das Leben ziemlich schwer machte, sei nur nebenbei erwähnt…
 
Natürlich hatten wir keinen Kühlschrank. Das Geld, das mein Vater verdiente, reichte gerade so für Essen und Miete - und auch das nur, weil meine Mutter äußerst sparsam war. Für Kleider, Schuhe, Geschirr oder andere Anschaffungen wurde monatelang gespart. Aber dafür hatten diese Dinge auch einen ganz anderen Stellenwert als heute. Strümpfe wurden x-mal gestopft, Kleider und Schuhe von einem Kind zum anderen „vererbt“ und solange getragen, bis sie von selbst auseinanderfielen. Die „Schnell-mal-Kauf- und Wegwerf“-Gesellschaft, wie wir sie heute kennen, wäre damals undenkbar gewesen!
 
Aber zurück zum „Kühlschrank“. Im Winter diente dazu der Zwischenraum zwischen zwei Fensterscheiben. Damals hatten die Fenster doppelte Verglasung - das heißt eine Fensterscheibe außen, dann das Fensterbrett, und nochmals eine innere Scheibe. Isoliert waren diese Fenster natürlich nicht - es zog durch alle Ritzen. Aber dafür war es so kalt, dass meine Mutter  im Winter Milch, Wurst und Butter auf diesem Fensterbrett deponierte. Nicht selten war am Morgen die Butter ein Eisklumpen!
 
Dafür wurde die Milch im Sommer häufig sauer. An die Sahne, die dann entstand, und die wir Kinder schlecken durften, denke ich noch heute gerne…
 
Und dann das Wäschewaschen! Schwerstarbeit war das damals! Auch wenn wir kaum Kleidung hatten. Ein Kleid für sonntags, eins für die Woche. Darüber kam eine Schürze - heutzutage ein Kleidungsstück, das nur noch gaaanz alte Damen tragen… Die Unterwäsche wurde - igitt, welche Vorstellung …. nur einmal in der Woche gewechselt!  
 
Jeden Montagmorgen standen meine Eltern um vier Uhr auf. Mein Vater heizte den großen Waschkessel im Keller an. Da hinein kam Waschpulver, und in dieser Brühe wurden Unterwäsche und Bettwäsche erst mal ausgekocht. Hinterher schrubbte meine Mutter das Zeug am Waschbrett - mit Wurzelbürste und Kernseife. Ihre Kleidung schütze sie bei dieser - nebenbei bemerkt - äußerst anstrengenden Tätigkeit - mit einer Gummischürze.   Die Bettwäsche auszuwinden war ein Kraftakt - den bewältigten meine Eltern mit vereinten Kräften.  Wenn DAS erledigt war, ging mein Vater zur Arbeit…
 
Getrocknet wurde die Wäsche im Hinterhof - auf dort gespannten Leinen, die alle Hausbewohner benutzen durften. DAS war vermutlich auch der Grund, dass es damals für jeden Haushalt einen festen „Waschtag“ gab…
 
Auch das Bügeln war eine Herausforderung. Das Bügeleisen wurde auf den Kohleofen gestellt, dort erhitzt und damit so lange gebügelt, wie die Wärme eben reichte. Dann musste es erst wieder aufgeheizt werden, bevor es weiterging. Eine langwierige Angelegenheit!
 
An den Montagen gab es - aus Zeitmangel - immer  „Erbswurst-Suppe“ zu essen. Wenn wir Glück hatten, mit kleingeschnittenen Würstchen drin…
 
Wie schön haben wir es dagegen doch heute! Waschmaschine auf - Wäsche rein - Waschpulver und Weichspüler - Programmwahl - Startknopf drücken. Und dann gemütlich hinsetzen und warten, bis die Waschmaschine fiept und das Ende der Aktion verkündet… Dann kommt das meiste in den Trockner, wird zusammengelegt und fertig. Bügeln? Nur noch Bettwäsche, und die Oberbekleidung, wie Hemden, Blusen, Kleider, Röcke. Aber auch da gibt es schon vieles, das man ungebügelt anziehen kann.
 
Und wenn es uns kalt ist, drehen wir am Heizungsknopf - und genießen wenige Minuten später wohlige Wärme…
 
Nein, also aus meiner Sicht waren die Zeiten damals ganz sicher nicht besser. Jedenfalls nicht in Bezug auf Wohnung und Haushaltsführung!
 
 
 
© Christine Rieger / 2016
 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 24. Januar 2016

Wintereinbruch

Liebe Freunde meines Lesebuchs, 
 
„Immer wieder sonntags kommt die Erinnerung…“ So hieß einmal ein Schlager von Cindy & Bert in den siebziger Jahren. Die Älteren unter Euch können sich sicher daran erinnern! 
 
Ich hoffe, ich verletze jetzt nicht ein Copyright, wenn ich diese Textzeile hier zitiere. Aber sie passt so schön - denn ich habe vor, Euch „immer wieder sonntags“ Erinnerungen aus meinem Leben zu erzählen.  
 
Natürlich kann ich nicht versprechen, dass es jeden Sonntag klappt - aber ich werde mir Mühe geben. Damit die Abstände zwischen den Reizwort-Geschichten nicht gar so groß werden… 
 
Ich hoffe, Ihr habt Spaß daran, ein bisschen was aus meinem Leben zu erfahren! 
 
Den Anfang mache ich heute mit einem Erlebnis, zu dem ich durch die Meldungen von den Blizzards in den Vereinigten Staaten inspiriert wurde.
 
Viel Spaß beim Lesen wünscht Euch 
Eure Geschichten-Erzählerin
 
 
 
Foto: © Christine Rieger
 
 
Es war an Silvester 1978/1979. Ich hatte damals noch mein erstes Auto -einen tannengrünen Renault R 4. Den mit der berühmten Knüppelschaltung. Er hatte nur 34 PS - nach heutigen Maßstäben das, was man eine „lahme Ente“ nennt. Aber auch schon damals nicht gerade ein Rennwagen. Trotzdem - ich habe dieses Auto geliebt. Obwohl es eine ziemliche „Rostlaube“ war. Vielleicht stammt daher auch meine Vorliebe für Autos in Kastenform mit großem Kofferraum. Meine Schwester fuhr den gleichen Wagen - nur in weiß. 
 
Am letzten Tag des Jahres 1978 war das Wetter überhaupt nicht winterlich. Es regnete Bindfäden. Das Thermometer zeigte plus 15 . Trotz des miesen Wetters unternahmen wir - meine Schwester und ich - nach dem Mittagessen einen ausgedehnten Spaziergang, von dem wir völlig durchweicht zurückkamen. 
 
Im Laufe des Nachmittags begann  das Thermometer zu fallen. Wir konnten es kaum glauben - aber  man konnte regelrecht zusehen, wie das Quecksilber Zentimeter um Zentimeter nach unten sackte. Nach und nach ging der Regen Schnee über. Innerhalb kürzester Zeit lagen mehrere Zentimeter. 
 
Unser Vater war damals bei der Stadt tätig - im Sommer in den Grünanlagen, im Winter beim Winterdienst. Um halb fünf Uhr abends musste er ausrücken. Er war für die Räumung der städtischen Gehwege zuständig. Nicht alleine natürlich. Auch seine Kollegen mussten auf das Silvesteressen verzichten. Kurz vor Mitternacht kam er zurück. Völlig erledigt und durchgefroren. Aber gerade noch rechtzeitig, um mit uns auf das neue Jahr anzustoßen… 
 
Doch es schneite weiter. Und das Thermometer fiel, Stunde um Stunde. Am Morgen des ersten Januar 1979 stand die Anzeige auf minus 25 C!!! 
 
Die große Überraschung erwartete uns jedoch beim Blick aus dem Fenster. Eine dicke Schneehaube krönte unsere beiden Autos. Die Reifen waren nicht mehr zu sehen - der städtische Räumdienst hatte ganze Arbeit geleistet. Der Schnee, der auf der Straße gelegen hatte, blockierte nun unsere Parkplätze. Na toll! 
 
Aber es half nichts - wir brauchten unsere Autos. Also an die Arbeit. Zuerst einmal - Schneeschaufel holen und die Räder freilegen. Als nächstes die Schneeberge vom Auto räumen. Endlich fertig, stellten wir fest, dass die Scheiben mit einem Eispanzer überzogen waren -  der Regen vom Vortag war festgefroren… 
 
Mit Eiskratzer, heißem Wasser und viel Wut im Bauch gingen wir ans Werk. Ich wundere mich heute noch, dass die Scheiben nicht gesprungen sind! Aber beide Autos haben es überlebt.  
 
Die nächste Überraschung erwartete uns, als wir die Türen öffnen wollten: ZUGEFROREN! Vermutlich war Wasser in den Türrahmen gelangt, und die Dichtungsgummis durch die Eiseskälte festgefroren. Also wieder warmes Wasser geholt und mühselig die Türdichtungen aufgetaut. 
 
Nach ungefähr zweieinhalb  Stunden Arbeit bei immer noch arktischen Temperaturen von minus 25 C konnten wir uns ENDLICH ins Auto setzen. Aber wegfahren war nicht.
 
 
Die Batterien hatten schlapp gemacht. Bei beiden Autos!
 
 
 
© Christine Rieger / 2016
 
 
 
 

Freitag, 15. Januar 2016

Die neue Wohnung

Liebe Freunde meines Lesebuchs, 
die „Durststrecke“ ist beendet - wir sind wieder da. Ab heute geht es wieder los mit den Reizwort-Geschichten. Wie bereits angekündigt, gibt es ab diesem Jahr nur noch einmal monatlich - immer am 15. - einen gemeinsamen „Reizwortgeschichten-Tag“.  
 
 
Die nächste Reizwort-Geschichte wird also am Montag, den 15.02.2016 erscheinen.
 
 
Und nun zu meiner heutigen Geschichte mit den Reizwörtern:
 
Taschenlampe - Stulpen - bibbern - ausruhen - sternenklar
 
Viel Spaß beim Lesen!
Eure Geschichten-Erzählerin
 
 
Foto: Copyright Christine Rieger
 
 
 
ENDLICH ist die letzte Kommode in die Wohnung getragen. Die angeheuerten Hilfskräfte - drei Studienkollegen, die ihr Sohn organisiert hat - schleppen gerade die übrig gebliebenen Umzugskisten herein und stellen sie einfach ins nächstliegende Zimmer. Dass es zufällig die Küche ist, bemerkt sie erst am späten Abend, als der Hunger sie dazu treibt, sich auf die Suche nach etwas Essbarem zu machen. Die jungen Männer verabschieden sich und machen sich auf den Heimweg.  

Tommy drückt seiner Mutter einen raschen Kuss auf die Stirn. „Ich muss leider los, Mami - Lisa wartet auf mich. Ich habe ihr versprochen, spätestens um sechs zu Hause zu sein. Wir kennen uns jetzt genau zwei Jahre, und wollen bei unserem Lieblings-Italiener ein bisschen feiern. Du kommst doch jetzt ohne mich klar?“ 

„Natürlich - geh nur. Ich bin sehr froh, dass du und deine Freunde mir heute geholfen haben - alleine hätte ich das nie geschafft. Was ist mit dem Kleinbus?“ 

„Den hat Paddy schon mitgenommen. Er muss ihn heute noch zurück in die Firma bringen - sein Vater braucht ihn morgen. Aber jetzt muss ich wirklich gehen. Ich komme morgen Nachmittag mit Lisa wieder, dann helfen wir dir beim Auspacken. Also, bis dann…“ Sekunden später fällt die Tür ins Schloss, und  Veronika ist allein. 

Sie windet sich zwischen Kisten, Koffern und Schachteln hindurch und geht in den Raum, der später einmal ihr Wohnzimmer werden soll. Hier steht der bequeme Fernsehsessel - liebevoll „Königsthron“ genannt. Der  frühere Lieblingsplatz ihres Mannes. Er verschwindet fast unter einem Berg von Mänteln und Jacken, den irgend jemand dort abgelegt hat. Veronika nimmt den Stapel, wirft ihn über den Couchtisch und lässt sich erleichtert in den Sessel fallen. Sie muss sich unbedingt ein paar Minuten ausruhen.  

Der Umzug hat sie nicht nur körperlich an ihre Grenzen gebracht. Auch moralisch ist sie völlig am Ende. Bis vor drei Monaten hat sie ihren Mann, der an Demenz leidet,  zu Hause gepflegt.  

Am Anfang war die Pflege noch kein Problem. Doch Harald wurde mit Fortschreiten der Krankheit immer unleidlicher, ja sogar aggressiv ihr gegenüber. Er konnte nicht damit umgehen, dass er zunehmend vergesslich wurde. Dass er seine geliebten Bergwanderungen und Radtouren aufgeben musste, weil er sich nicht mehr zurechtfand. Dass er, der doch in ihrer Ehe stets der aktive Teil gewesen war, nun auf einmal auf ihre, Veronikas Hilfe, angewiesen war. 

Als er eines Tages anfing, mit Geschirr nach ihr zu werfen und ihr fast den Arm gebrochen hatte, als sie versuchte, ihm das Haar zu kämmen, musste sie einsehen, dass ihr nichts anders übrig blieb, als ein Pflegeheim für Harald zu suchen.  

Zu ihrer Überraschung schien er sich dort ausgesprochen wohl zu fühlen. Sie besuchte ihn jeden Tag und leistete ihm Gesellschaft. War das Wetter schön, spazierten die beiden durch den angrenzenden Park. Gelegentlich bummelten sie durch das nahe Einkaufszentrum, setzten sich in ein Café und beobachteten die Kunden, oder sie besuchten die im Pflegeheim angebotenen vielfältigen  Veranstaltungen. Ihr Verhältnis besserte sich zusehends. Es war fast so wie früher. Nur dass sie jetzt eben nicht mehr zusammen lebten. 

Doch das Heim kostete Geld. Viel Geld. Die Pflegekasse zahlte nur einen Bruchteil. Haralds Rente ging für die Unterbringung fast drauf - und ihre eigene reichte nicht aus, um das Haus zu unterhalten. So hatte sie es - mit seinem Einverständnis - verkauft.  Der neue Besitzer würde in wenigen Tagen einziehen.  

Und nun hockt sie in der gemieteten Zweizimmer-Wohnung zwischen Koffern und Umzugskartons…  

Veronika musste eingeschlafen sein. Kein Wunder, erledigt wie sie war. Als sie in ihrem  - oder besser Haralds - Sessel aufwacht, bibbert sie vor Kälte. Durch das noch vorhanglose Fenster kann sie den sternenklaren Himmel sehen. Der Vollmond, der zwischen den kahlen Ästen einer großen Birke hindurch lugt,  erhellt das Zimmer so weit, dass sie ihre Handtasche sehen kann, die zu ihren Füßen am Boden liegt. Sie langt hinein und kramt ihr Handy heraus. Das Display zeigt ihr nicht nur an, dass es inzwischen fast einundzwanzig Uhr ist, sondern auch, dass der Akku dringend aufgeladen werden muss. Sie benutzt das schon ziemlich schwache Licht des Displays als Taschenlampe. In dem bläulichen Schein tastet sie sich zwischen den herumstehenden Kisten bis zum Lichtschalter voran,  und knipst die Deckenleuchte an. Die besteht einstweilen noch aus einer jämmerlichen Glühbirne, die an einem Kabel von der Decke baumelt. Den Lampenschirm kann sie erst aufhängen, wenn sie ihn in dem herrschenden Chaos gefunden hat. Immerhin - besser als gar nichts. 

Ihr knurrender Magen erinnert Veronika daran, dass sie seit dem Frühstück so gut wie nichts gegessen hat. Sie steuert die Küche an. Auch hier - Durcheinander pur.  

Der Kühlschrank ist zum Glück bereits eingeräumt. Die Kiste mit Brot und Vorräten findet sich nach längerem Suchen hinter mehreren Umzugskartons, die Bücher, Unterwäsche, ihre Stereoanlage, Badutensilien und  Werkzeug enthalten und eigentlich ganz woanders hin gehören. 

Sie schmiert sich ein Brot direkt auf der Platte des Küchentisches  mit einem Taschenmesser, das zufällig auf einer der Kisten liegt (Geschirr und Besteck sind vorerst unauffindbar), und beißt hungrig hinein - abwechselnd vom Brot und einer angefangenen Salami,  die sie in der Vorratsbox gefunden hat. Das illustre Mahl spült sie mit Leitungswasser direkt aus dem Hahn hinunter.  

Hinreichend gesättigt, besichtigt sie ihr Schlafzimmer. Die Einzelteile ihres Bettes stehen aufgereiht neben der Balkontür. Bettdecke und Kopfkissen entdeckt sie in einem blauen Abfallsack. Daneben steht ihre aufgerollte Isomatte, die sie normalerweise für ihre Gymnastikübungen benutzt. Notgedrungen muss sie heute darauf nächtigen, das Bett alleine aufzustellen ist unmöglich. 

„Hoffentlich komme ich morgen früh wieder hoch von diesem Ding!“ denkt sie mit einem Anflug von Galgenhumor. Als sie die Matte auseinanderrollt, fallen ihre Stulpen heraus. Die hat sie  heute Morgen unterm Bett gefunden und kurzerhand in die Matte gewickelt, weil die ganzen Kartons schon zugeklebt und für den Transport bereitgestellt waren. 

Veronika ist so müde, dass sie sich nicht einmal mehr die Zeit nimmt, sich die Zähne zu putzen. So wie sie ist -  verschwitzt, ungewaschen, in ihrer Arbeitskluft, die sie den ganzen Tag getragen hat,  lässt sie sich auf ihre Isomatte fallen, zieht die Daunendecke über sich und ist in Sekundenschnelle eingeschlafen. 

Dass ihr Badezimmer zentimeterhoch unter Wasser steht, weil die Toilette verstopft ist,  entdeckt sie erst am anderen Morgen…

 

© Christine Rieger / 2016
 
 
Und hier geht es zu den Beiträgen meiner Mit-Autorinnen:
Regina   Lore    Martina   Eva V.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Freitag, 1. Januar 2016

Ein glückliches neues Jahr...


Liebe Freunde meines Lesebuchs,

wenn das neue Jahr so gut wird wie das alte aufgehört hat - dann habe ich eine wunderbare Zeit vor mir! 

Mein Mann und ich haben mit Freunden den Silvesterabend begangen - mit viel gutem Essen, auch in flüssiger Form, einer Menge Spaß und guter Laune. Und - das Wichtigste - wir sind trotz Nebel, bei dem man nicht einmal mehr die weiße Straßenmarkierung erkennen konnte, unfallfrei nach Hause gekommen. Heute Morgen um halb fünf … 

Ich hoffe, auch Ihr seid gut ins neue Jahr hinüber gerutscht und sanft gelandet, und ich wünsche meinen lieben Kolleginnen Lore, Regina, Martina und Eva und natürlich Euch,  meinen Leserinnen und Lesern, ein wunderbares, glückliches, zufriedenes und vor allen Dingen gesundes neues Jahr. 

Und nicht zuletzt: Dass wieder Frieden einkehren möge in dieser Welt, damit die Menschen nicht genötigt werden, ihre Heimat zu verlassen und sich in der Fremde wiederzufinden! 

Ganz herzliche Grüße - und AUF EIN NEUES! 

Eure Geschichten-Erzählerin
 

Bevor ich mich nun wieder der Erholung widme - die Silvesternacht war lang (siehe oben), möchte ich noch ganz herzlich meine Namensvetterin Christine vom Blog „white and vintage“ hier begrüßen. 

Herzlich willkommen, liebe Christine! Schön, dass Du mich gefunden hast. Mach es Dir bequem bei mir und - bring viel Zeit mit, wenn Du vor hast, alle meine Geschichten zu lesen… 
 

Und ganz zum Schluss noch eine Vorankündigung:
Am 15. Januar gibt es wieder eine „Gemeinschaftsproduktion“ - mit meinen vier Mitstreiterinnen - eine neue Reizwortgeschichte!